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Lautstärkenmetapher: Diskriminierung differenziert betrachten
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Lautstärkenmetapher: Diskriminierung differenziert betrachten

Das Wichtigste in Kürze

Rassismus, Sexismus und Antisemitismus sind komplexe Phänomene. Um sie besprechbar zu machen, hilft es, sie nicht als binären Zustand (da / nicht da), sondern als Skala zu begreifen.

Vom Lichtschalter zum Lautstärkeregler

Das alte Denken funktioniert wie ein Lichtschalter: Entweder jemand ist Rassist (Licht an) oder nicht (Licht aus). Das Problem: Sobald Kritik geäußert wird, gehen Menschen in die Abwehrhaltung („Ich bin doch kein Nazi!“), und das Gespräch ist beendet.

Das neue Denken funktioniert wie ein Lautstärkeregler: Es gibt Abstufungen. Das ermöglicht Reflexion: „Das war vielleicht leiser Rassismus, aber er war da.“ So bleiben wir im Gespräch.

Die zwei Perspektiven der Lautstärke

Das Modell hilft, die unterschiedliche Wahrnehmung von Sendern und Empfängern zu erklären:

1. Die Perspektive des Senders (Differenzierung) Wir müssen unterscheiden können. Es ist nicht dasselbe, ob jemand eine plumpe Frage stellt („Wo kommst du wirklich her?“) oder ob jemand Gewalt ausübt (z.B. Ku-Klux-Klan).

  • Der Vorteil: Wir werfen nicht alle in einen Topf. Wir können Menschen dort abholen, wo sie stehen, und pädagogisch arbeiten, anstatt sie sofort als „Böse“ abzustempeln.

2. Die Perspektive der Betroffenen (Der Dauerton) Warum ist auch „leiser“ Rassismus schlimm? Stell dir vor, du hörst den ganzen Tag ein leises, unangenehmes Summen. Einmal ist es nicht schlimm. Aber wenn es dauerhaft da ist, verursacht es Stress und Schmerz.

  • Der Effekt: Das erklärt, warum Betroffene auch auf vermeintlich „kleine“ Fragen gereizt reagieren können – für sie ist es nicht das erste Mal, sondern der hundertste Ton an diesem Tag.

Weitergedacht: Das Mischpult

Niemand wird nur auf einer Ebene diskriminiert. Oft kommen mehrere Regler zusammen (z.B. Sexismus und Rassismus gleichzeitig). Diese Regler bedingen sich gegenseitig und ergeben eine Gesamtlautstärke, die für die betroffene Person schwer erträglich sein kann.

Impuls für die Praxis: Versuche in Diskussionen wegzukommen von der Frage „Ist das rassistisch?“ (Ja/Nein). Frage stattdessen: „Wie laut war das gerade?“ Das nimmt die Schärfe, ohne das Problem zu ignorieren.