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KISS-Modell: Lebenslagen in der Praxis verstehen
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KISS-Modell: Lebenslagen in der Praxis verstehen

Das Wichtigste in Kürze

Das KISS-Modell hilft dir, systematisch zu erfassen, wie es deinem Gegenüber geht und wo möglicherweise Ressourcen oder Defizite liegen. Du kannst die vier Bereiche entweder direkt erfragen oder durch Beobachtung erschließen.

Die vier Dimensionen von KISS:

K – Kontrolle (Selbstwirksamkeit) Hier geht es um das Gefühl, das eigene Leben im Griff zu haben.

  • Die Kernfrage: Kann ich Dinge verändern oder bin ich ihnen ausgeliefert?

  • Beispiel Schule: Kann ich den Schulalltag mitgestalten (Selbstwirksamkeit) oder lasse ich ihn nur passiv über mich ergehen, weil ich glaube, dass ich eh nichts ändern kann?

I – Integrationsgruppen (Zugehörigkeit) Hier geht es um den sozialen Status und Anerkennung.

  • Die Kernfrage: Wo gehöre ich dazu und welche Rolle spiele ich dort?

  • Beispiel: Werden Anerkennung und Identität durch eine Gruppe gestiftet? Muss ich mich verstellen, um dabei zu sein, oder kann ich dort mitbestimmen?

S – Sinnlichkeitserfahrungen (Biopsychisches Erleben) Hier geht es um Emotionen, Körpergefühl und das „Hier und Jetzt“.

  • Die Kernfrage: Was macht mir Spaß? Was tut mir gut, was macht mich wütend?

  • Beispiel: In welchen Situationen erlebe ich Freude, Sicherheit oder Lust? Wo erlebe ich hingegen Frust, Trauer oder Angst?

S – Sinnerfahrungen (Werte & Ziele) Hier geht es um die kognitive Bewertung und das „Warum“.

  • Die Kernfrage: Erscheint mir das, was ich tue, sinnvoll oder unnütz?

  • Beispiel Schule: Sehe ich Bildung als wertvoll für meine Zukunft an? Wenn ich Schule als „sinnlos“ empfinde, fehlt mir oft die Motivation zur Mitarbeit.

Anwendung in der Praxis: Das Modell ist flexibel einsetzbar:

  1. Implizit: Du behältst die vier Buchstaben im Hinterkopf und tastest die Themen beiläufig im Gespräch ab.

  2. Explizit: Du nutzt das Modell offen im Einzelsetting, stellst es dem Jugendlichen vor und ihr erarbeitet gemeinsam die Antworten.